Der Attische Seebund (oder Delische Liga) ist eine Bezeichnung für zwei Verteidigungsbündnisse zwischen dem antiken Athen und Staaten im und um das Ägäische Meer.

Er wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. als Folge der Perserkriege gegründet und war ein Bündnis griechischer Stadtstaaten unter der Führung Athens, um durch eine gemeinsame Verteidigungspolitik – vor allem durch eine gemeinsame Flotte – dem Persischen Reich Widerstand leisten zu können. Staaten, die keine eigenen Kriegsschiffe unterhalten konnten, mussten eine Abgabe an Athen entrichten. Diese Abgaben stellten einen großen Zuschuss für die Wirtschaft Athens dar und führten zu einer Hochkonjunktur und einer Blütezeit für die Stadt.

Die gemeinsamen Mittel wurden im Apollontempel auf Delos, dem gemeinsamen Heiligtum des ionischen Stammes, hinterlegt, und zu ihrer Verwaltung wählten die Athener eine zu diesem Zweck geschaffene Behörde, die Hellenotamiai (die Schatzmeister der Hellenen). Auf Delos trafen sich auch die Vertreter der verbündeten Staaten, um über gemeinsame Angelegenheiten zu beraten. Die Festlegung des Betrags, den jeder Staat des Bundes beisteuern sollte, wurde Aristides übertragen. Die Summe wurde auf 460 attische Talente festgelegt.

Mit wenigen Ausnahmen schlossen sich alle griechischen Staaten, die von der persischen Oberhoheit befreit worden waren, dem Bund an, d. h. fast alle Inseln der Ägäis und die griechischen Städte an den thrakischen und asiatischen Küsten. Mit Athen umfasste der Bund ein Gebiet von etwa 30.000 Quadratkilometern mit einer Bevölkerung von mindestens zwei Millionen Menschen. Kein anderer griechischer Staat hatte eine so große Fläche.

Der Peloponnesische Bund unter der Führung Spartas umfasste nur etwa 20.000 Quadratkilometer mit höchstens einer Million Einwohnern. Athen, das über die Kräfte des neuen Bundes verfügte, wurde auf einen Schlag zu einer Großmacht.

Der Peloponnesische Krieg wurde zwischen diesem Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter der Führung Spartas ausgetragen.

Als es 379 v. Chr. thebanischen Demokraten gelang, die spartanische Besatzung der Stadt abzuschütteln und in der Folge für die staatliche Einigung ganz Boiotiens unter demokratischen Bedingungen zu sorgen, bot sich auch für Athen die Gelegenheit, sich aus der Einengung durch Sparta zu befreien und 378/377 v. Chr., gerade 100 Jahre nach der Erstgründung, den Zweiten Attischen Seebund zu errichten.
Maßgebliches Motiv war also diesmal die Beseitigung der spartanischen Vormachtstellung, während man in Bezug auf Persien betont auf Interessenausgleich setzte.