Der Peloponnesische Krieg zwischen dem von Athen geführten Attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter seiner Führungsmacht Sparta, dauerte, unterbrochen von einigen Waffenstillständen, von 431 v. Chr. bis 404 v. Chr. und endete mit dem Sieg der Spartaner.

Der Krieg beendete das klassische Zeitalter Athens und der attischen Demokratie und erschütterte die griechische Staatenwelt nachhaltig. Fast alle griechischen Stadtstaaten, Poleis, nahmen an ihm teil, und seine Kampfhandlungen umfassten nahezu die gesamte griechischsprachige Welt. In der modernen Forschung wird er daher oft als antiker Weltkrieg bezeichnet.

Ebenso bedeutend wie für den Verlauf der Geschichte des antiken Griechenland war der Krieg aber auch für die Geschichtsschreibung selbst. Denn er war das erste Ereignis, das Gegenstand einer wissenschaflichen, historischen Darstellung wurde: Der griechische Historiker Thukydides lieferte in seiner "Geschichte des Peloponnesischen Kriegs" eine ausführliche zeitgenössische Darstellung bis zum Winter des Jahres 411 v. Chr., in der er die Ursachen und Hintergründe des Krieges in einer Weise analysierte, die für die europäische Geschichtsschreibung vorbildlich wurde. Für die Zeit nach 411 setzte später Xenophon mit seinem Werk Hellenika Thukydides' unvollendete Arbeit fort.

Die Bezeichnung Peloponnesischer Krieg ist allerdings nicht zeitgenössisch, sondern kam erst später auf. Thukydides selbst sprach vom "Krieg zwischen den Peloponnesiern und den Athenern".

Vorgeschichte

Der Attische Seebund, nach den Perserkriegen 50 Jahre zuvor noch ein freiwilliges Verteidigungsbündnis freier griechischer Städte, war inzwischen zu einem reinen Macht- und Zwangsinstrument Athens geworden und diente nun dem Ausbau und der Sicherung der Hegemonie Athens im Raum des Ägäischen Meers.

In Athen wurden zudem die sogenannten "Langen Mauern" gebaut, die die Stadt mit ihrem Hafen Piräus verbanden und so gegen Bedrohungen vom Festland immun machten.

Der Peloponnesische Bund unter Führung Spartas stellte jedoch ein effektives Gegengewicht zu den Bestrebungen Athens dar, den Herrschaftsbereich des Seebundes auszuweiten. Der Konflikt zwischen Athen und Sparta in den Jahren 460 bis 446 v. Chr., der sich unter anderem aus dem Übertritt Megaras zu Athen ergab, wird oft als Vorstufe zum "großen Krieg" gesehen. Dieser sogenannte erste Peloponnesische Krieg endete 446 v. Chr. mit einem Patt, wobei Megara wieder zu Sparta überwechselte. Es schien ein Gleichgewicht erreicht, da im Friedensvertrag vereinbart wurde, dass man das jeweilige Bündnissystem achten und bei Konflikten ein Schiedsgericht anrufen werde. Bewusst wurde das Verhältnis zu den "neutralen" Poleis ausgeklammert, was sich als folgenschwerer Fehler erweisen sollte. Denn in den dreißiger Jahren des 5. Jahrhunderts v. Chr. flackerte am äußersten Rand der griechischen Welt ein Brandherd auf, der eine Entwicklung in Gang setzte, die schließlich zum Krieg führen sollte.

Militärische Kräfteverhältnisse

Bei Kriegsbeginn verfügte Athen über 13000 Hopliten und 16000 Reservisten (Thuk II,13). Einer der Hopliten war Sokrates, der an den Feldzügen nach Potideia, Amphipolis und der Schlacht bei Delion teilnahm.

So unterschiedlich wie die geografischen Gegebenheiten der Kriegsparteien waren auch ihre Fähigkeiten zur Kriegsführung. Die von Athen geführte Allianz bestand vor allem aus den ägäischen Inseln sowie Hafenstädten, deren Stärke folgerichtig auf dem Gebiet der Seekriegsführung lag. Der Status von Athen als größter Seemacht hing dabei von seiner starken Flotte ebenso ab wie vom Seebund. Dies erklärt sich aus der Bauweise der griechischen Trieren sowie der Geografie der Ägäis. Die Trieren hatten eine sehr leichte Bauweise und waren keineswegs hochseetauglich; beim ersten Anzeichen eines Unwetters musste ein Ankerplatz aufgesucht werden (siehe Vernichtung der Flotte des Dareios 492 v. Chr.). Zum Ankern reichte zwar für die leichten Trieren ein Strand aus, die Küsten der Ägäis sind jedoch mehr von Felsen und Klippen geprägt als von Stränden; geeignete Ankerplätze waren selten und meist besiedelt. Daher war die Verfügung darüber so wichtig für Athen - sowohl für den Handel wie den Seekrieg.

Die spartanische Allianz hingegen bestand vor allem aus den Städten des Peloponnes und Zentralgriechenlands (mit der Ausnahme der Hafenstadt Korinth), d.h. Landmächten, deren Vorteile auf dem Gebiet des Hoplitenkampfes lagen.

Einen indirekten militärischen Vorteil hatte Athen gegenüber Sparta, da es durch die Einnahmen aus dem Seebund über große Finanzreserven verfügte.

Kulturelle und ideologische Charakteristika

Athen, zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner kulturellen Blüte ("Perikleisches, goldenes Zeitalter", Bau des Parthenon, der Propyläen), war eine Demokratie, auch wenn darunter nicht Demokratie im heutigen Sinne verstanden werden darf. Spartas Herrschaftsform dagegen war eine Mischverfassung, wobei die Spartaner außenpolitisch aber traditionell Oligarchien bevorzugten. Dieser Gegensatz bestand auch bei den jeweiligen Verbündeten. Wie wichtig dieser ideologische Gegensatz war, zeigt sich in der Tatsache, dass Sparta nach Kriegsende im besiegten Athen sofort eine Oligarchie einführte.

Es gab eine aus heutiger Sicht paradox anmutende Situation: das "demokratische" Athen stand für Unterdrückung der nach Unabhängigkeit strebenden Poleis, während Sparta, eine Militärgesellschaft, die die Demokratie ablehnte, die Rolle des Verteidigers der Freiheit Griechenlands spielte und gleichzeitig einen Großteil der eigenen Bevölkerung, die Heloten, brutal unterdrückte.

Der Weg in den Krieg

Eine Schlüsselrolle in der Entstehungsphase des Konflikts kam dem spartanischen Bündner Korinth zu, das unabhängig von den großen Bündnissystemen seine Hegemonie im Golf von Ambrakia zu erhalten suchte. Als bei einem Bürgerkrieg in Epidamnos (um 436 v. Chr.) die "demokratische" Partei Korinth, die Adelspartei hingegen Korinths ehemalige Kolonie Kerkyra um Hilfe bat, entstand zwischen diesen beiden Poleis ein Konflikt um die Vorherrschaft im ionischen Meer. Nach ersten Niederlagen gegen Kerkyra rüstete Korinth eine derart große Flotte auf, dass Athen um seinen Status als größte Seemacht fürchtete und deshalb im Sommer 433 v. Chr. ein Defensivbündnis (Epimachia) mit Kerkyra einging, welches über die zweitgrößten Flotte Griechenlands verfügte. Korinth sah damit jedoch eine Verletzung des Friedens von 446 v. Chr. gegeben und wandte sich schließlich an Sparta.

Infolge eines weiteren Konflikts verhängte Athen (wohl noch im Jahr 433 v. Chr.) per Volksbeschluss (megarisches Psephisma; wobei es umstritten ist, ob es ein oder mehrere Beschlüsse waren) ein Handelsverbot gegen die Polis Megara, mit der Athen seit dem Ende des ersten Peloponnesischen Krieges verfeindet war. Megara, ebenso wie Korinth Mitglied des Peloponnesischen Bundes, setzte nun alles daran, Sparta zum Handeln zu zwingen. Allgemein wird vor allem dieser Beschluss als letztendlich entscheidender Kriegsgrund angesehen, da Sparta unter Zugzwang geriet. Diese Einschätzung wurde schon von Zeitgenossen geteilt, so von Aristophanes, der meinte, Perikles wollte dadurch von inneren Schwierigkeiten ablenken.

Ein dritter Konflikt entwickelte sich schließlich in der Stadt Potideia auf der Chalkidike, einem Mitglied des attischen Seebundes, das ebenfalls gute Beziehungen zur Mutterstadt Korinth pflegte. Als Athen von Potideia verlangte, korinthische Beamte auszuweisen und die Seemauern niederzureißen, trat dieses aus dem Seebund aus. Trotz der Unterstützung durch Korinth konnten die Athener Potideia allerdings schnell einschließen.

Diese Konflikte waren jedoch nur Auslöser, und nicht Ursache des Krieges - ein Unterschied, den bereits Thukydides betonte. Den wahren Grund für den Krieg sah er in der Furcht der Spartaner vor der wachsenden Macht Athens (Thuk. I 23,6). Nach seiner Meinung war der Konflikt letztendlich unvermeidbar, was in der modernen Forschung so jedoch nur bedingt geteilt wird.

Im Sommer 432 v. Chr. forderten die unzufriedenen peloponnesischen Bundesgenossen Sparta auf, endlich einzugreifen. In Sparta war es vor allem König Archidamos II., der zur Vernunft riet. Er konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Zunächst wurde aber nur festgestellt, dass Athen den dreißigjährigen Frieden von 446 v. Chr. gebrochen hatte. Die auch weiterhin fortgesetzten Verhandlungen mit Athen brachten jedoch keine Lösung: in Athen war es vor allem Perikles, der es nun auf einen Krieg ankommen ließ (was vor allem Karl Julius Beloch in seiner "Griechischen Geschichte" besonders hervorgehoben hat).

Letztendlich waren die Risikobereitschaft des Perikles und die spartanische Furcht vor einem Austreten eines oder mehrerer Bündner aus dem Peloponnesischen Bund (womit Spartas Sicherheitsinteressen tangiert waren, siehe die permanente Helotengefahr) die Hauptgründe für den Krieg. Perikles Absicht war es, Sparta zur Akzeptierung des Dualismus und damit des Seebundes zu zwingen, Sparta musste den Interessen seiner Bündner Rechnung tragen.

Ob die Kriegsschuld für den Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs nun bei Athen (wegen der Konfrontationspolitik des Perikles) oder bei Sparta lag (wegen des kalkulierten Risikos eines Krieges, um so Athen zu bezwingen) ist in der Forschung umstritten. Sicher ist, dass aufgrund einer Atmosphäre politischer Verunsicherung, aggressiver Machtpolitik und übersteigerten Prestigedenkens von allen Seiten eine mehr oder weniger große Bereitschaft zum Krieg vorhanden war.

Die eigentlichen Kampfhandlungen begannen jedoch erst mit dem Überfall der mit Sparta verbündeten Thebaner auf Platää im Frühjahr des Jahres 431 v. Chr.

Verlauf

Allgemein wird der Peloponnesische Krieg in drei Phasen unterteilt:

  1. Der Archidamische Krieg (benannt nach dem spartanischen König und Feldherrn Archidamos II.), der von 431 v. Chr. bis 421 v. Chr. andauerte.
  2. Die Zeit des Nikiasfriedens (fauler Frieden), die von 421 bis etwa 413 v. Chr. andauerte.
  3. Der Dekeleisch-ionische Krieg, da sich die Kampfhandlungen weiter auf Attika ausbreiteten (wo die Spartaner von Dekeleia aus operierten) und auf die Ostküste der Ägäis (Ionien). Diese Phase dauerte von 414/413 bis zur Niederlage Athens 404 v. Chr. an.

Die ersten Kriegsjahre

Athen besaß gegenüber Sparta ein schwaches Landheer, aber eine starke Flotte. Die von Perikles erdachte Strategie war also, einerseits sich nicht auf eine Auseinandersetzung zu Lande einzulassen und die Bevölkerung Attikas hinter den "Langen Mauern" zu schützen, andererseits aber mit der starken Flotte die Küstenstädte der Peloponnes anzugreifen und mit einer Blockierung der Seewege Sparta langsam zu zermürben. Sparta dagegen fiel mit seinem starken Landheer in Attika ein und verwüstete das Umland von Athen. Da es tatsächlich unmöglich war, Athen angesichts der starken Befestigung einzunehmen, lief auch Spartas Taktik damit auf eine Zermürbungsstrategie hinaus. Allerdings kostete der Unterhalt der kostspieligen Flotte und die Belagerung Poteidaias Unsummen, was in Athen zu schweren Vorwürfen gegenüber Perikles führte. In Athen brach 430 v. Chr. sogar eine Seuche aus (wohl eine Form der Pest), der ein Großteil der Bevölkerung zum Opfer fiel - darunter auch Perikles im Jahr 429 v. Chr..

Athen schien tatsächlich im Vorteil zu sein, zumal Sparta, in Sorge um gefangene Spartiaten auf Sphakteria, sich friedenswillig zeigte (425 v. Chr.). Athen jedoch ging darauf nicht ein, vor allem unter Einfluss des Kleon, der bereits vorher eine radikalere Kriegsführung gefordert hatte. Nun begann der talentierte spartanische General Brasidas mit seinen Operationen in Thrakien. Brasidas gelang die Einnahme des wichtigsten athenischen Stützpunktes in dieser Region, Amphipolis. Auch beim böotischen Delion unterlagen die Athener (424 v. Chr.). Mit den Operationen des Brasidas wurde der Lebensnerv Athens getroffen, denn hier verlief die Getreideroute aus der Ukraine, die Athens Überleben sicherstellte. Zudem erhielt Athen aus dieser Region Geld und Holz für den Bau seiner Flotter. Der ehrgeizige Athener Kleon hielt jedoch weiter an seinem harten Kurs gegenüber Sparta fest. Zwar kam es zu einem vorübergehenden Waffenstillstand, der jedoch nicht eingehalten wurde.

In dieser Zeit (und auch danach) kam es auf Seiten der Athener zu zahlreichen Greueltaten an deren Verbündeten, die versuchten den Seebund zu verlassen (wie beispielsweise an Mytilene auf Lesbos 427 v. Chr. oder 416 v. Chr. auf Melos, siehe der berühmte Melierdialog des Thukydides). Dabei muss die unrühmliche Rolle der athenischen Volksversammlung betont werden, die sich leich zu unklugen Handlungen hinreissen ließ (siehe attische Demokratie). Auch wurden auf Antrag der Volksversammlung die Abgaben der Bündnisgenossen erhöht und effizienter organisiert. Allerdings lässt sich generell feststellen, dass der Krieg Greueltat auf beiden Seiten verursachte, wobei das Verhalten der Großmacht Athen merkwürdig an die Moderne erinnert.

Kleon und Brasidas fielen beide 422 v. Chr. bei Amphipolis, so dass nun der Weg für einen Friedensvertrag frei war, den der Athener Nikias aushandelte.

Der Nikiasfrieden - eine trügerische Sicherheit

421 v. Chr. wurde der so genannte Nikiasfrieden geschlossen, der sich weitgehend am Status quo orientierte. Sparta hatte nun die Hände gegenüber seiner alten Erzrivalin Argos frei, während Athen nach Luft schnappen konnte und sich um seine Probleme in Thrakien kümmern konnte - so jedenfalls der Plan des Nikias. Spartas Verbündete, vor allem Korinth und Theben waren jedoch höchst verärgert. Argos, selbst eine Demokratie und Spartas Erzrivalin, arbeitete an einem anti-spartanischen Bündnis, wobei es auch einen Pakt mit Athen einging, wo der ehrgeizige und aus ältestem Adel stammende Alkibiades auf einen neuen Krieg mit Sparta hinarbeitete. Sparta wiederum bekräftigte wieder seine Bande mit Theben, das sich dem argivischen Bündnis nicht anschloss.

Es begann nun ein Wechselspiel der Koalitionen, an dessen Ende jedoch die alte Konstellation wieder hergestellt war. Argos konnte keinen Nutzen aus der zeitweisen Schwäche Spartas ziehen, denn 418 v. Chr. wurden seine Streitkräfte von Spartas Aufgebot in der Schlacht von Mantineia geschlagen, während Athen seine Herrschaft über den Seebund konsolidierte (siehe der Melierdialog 416 v. Chr.). Dennoch ließ sich Athen auf ein gewagtes Spiel ein: die Sizilienexpedition.

Alkibiades und der Sizilienfeldzug

Alkibiades, ein reicher Adeliger, gewann in der Erholungszeit nach den Auseinandersetzungen mit Sparta Einfluss auf die Volksversammlung und begeisterte die Athener für einen gefährlichen Plan: den Sizilienfeldzug. Ziel war sowohl das Getreide der Insel als auch Pläne für eine Ausdehnung des athenischen Einflussgebiets. Vorgeschobener Grund war ein Hilferuf Segestas, das sich so wie einige andere örtlicher Poleis im Konflikt mit Syrakus befand, dem mächtigsten sizilischen Stadtstaat. Alkibiades setzte gegen die Empfehlungen des Nikias, der zur Vernunft riet, die Expedition durch.

Schließlich zog eine Flotte von 134 Trieren und etwa 5.000 Hopliten (die Streitmacht wurde später noch verstärkt) im Jahre 415 v. Chr. nach Sizilien. Die Gesamtstärke der Expedition betrug damit rund 27.000 Mann. Es war die bei weitem größte militärische Expedition, die je eine einzelne Polis unternommen hatte - noch dazu fern der Heimat. Nach ersten, hart erkämpften Erfolgen, wurde Alkibiades jedoch von den Athenern abgesetzt und ging zum Gegner Sparta über, was der Anfang der Katastrophe für Athen war. Athen belagerte zunächst Syrakus, konnte die Belagerung aber nicht lückenlos durchführen. Schließlich wurden die Athener zum Rückzug gezwungen. Der Großteil der Truppen geriet in Gefangenschaft, in der die meisten von ihnen starben (413 v. Chr.). Athen hatte seine Kräfte bei weitem überspannt; die so genannte sizilische Expedition hatte in einer Katastrophe für Athen geendet.

Zudem überwarf sich Athen mit dem Perserreich, welches nun Kontakte zu Sparta knüpfte und dieses mit viel Geld unterstützte. Alkibiades beriet nun Sparta, welches in der Folgezeit erstaunliche Erfolge verbuchen konnte, da es nun auch über eine Flotte verfügte.

Das Ende des Krieges

Von der Katastrophe des Sizilienfeldzugs sollte sich Athen nie wieder wirklich erholen. Sparta war nun endgültig in der Offensive und setzte sich 413 v. Chr. auf Rat des Alkibiades in Dekeleia in Attika fest, von wo es Raubzüge in das attische Territorium unternahm. Kurz darauf wurde ein Vertrag mit dem Perserreich geschlossen, wobei sich Sparta verpflichtete, Kleinasien an Persien abzutreten - wozu in dieser Phase aber wohl auch Athen bereit gewesen wäre. Mehrere Mitglieder des Seebundes fielen 412 v. Chr. und auch noch später von Athen ab, auch Dank des persischen Goldes, während die spartanische Flotte recht erfolgreich in der Ägäis operierte. Allerdings betrieb der persische Satrap Tissaphernes eine teils wankelmütige Politik.

Es kam schließlich in Athen zu einem oligarchischen Verfassungsumsturz in Athen (411 v. Chr.), der aber Dank der weiterhin demokratisch gesinnten Flotte bald wieder rückgängig gemacht wurde (410 v. Chr.). Alkibiades ging in diesem Zusammenhang sogar wieder zu den Athenern über, doch nützte dies nichts mehr. 408/07 v. Chr. ging der Spartaner Lysander nach Kleinasien und nahm Kontakt zum persischen Prinzen Kyros den Jüngeren auf. Persien beendete seine teils betriebene Schaukelpolitik endgültig und Sparta erhielt nun alles im Überfluss. In dieser letzten Phase des Krieges, dem so genannten dekeleisch-ionischen Krieg, verlor Athen zunächst die Schlacht von Notion 407 v. Chr. (was zur Abberufung des Alkibiades führte), gewann aber die Schlacht bei den Arginusen (einer Inselgruppe in der Ägäis) im Jahre 406 v. Chr. Doch die Niederlage bei Aigospotamoi ein Jahr später besiegelte das Schicksal Athens. Es verfügte nun über keine intakte Flotte mehr, während die Spartaner unter Lysander das Meer beherrschten. Die Stadt wurde eingekesselt und musste ausgehungert im Frühjahr 404 v. Chr. kapitulieren.

Folgen

Der Krieg hatte die Macht Athens gebrochen. Der Seebund wurde aufgelöst, die Flotte ausgeliefert und ein pro-spartanisches Regime installiert (welches jedoch 403 v. Chr. beseitigt wurde). Dennoch wurde die Stadt nicht zerstört, wie von Korinth und Theben gewünscht. Sparta wollte kein Machtvakuum entstehen lassen, zumal es selbst große Schwierigkeiten hatte: Man war mit dem Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung gegen Athen zu Felde gezogen, hatte Persien aber im Gegenzug für dessen Hilfe die Abtretung der kleinasiatischen Küste zugesichert. Dies kam nicht mehr in Frage, so dass Sparta nun gegen das Perserreich Krieg führen musste. Die spartanische Hegemonie sollte ohnehin nur wenige Jahrzehnte dauern, doch auch danach kam es zu keinem modus vivendi. Am Ende dieser Entwicklung stand der ehrgeizige König von Makedonien, Philipp II..

Das goldene Zeitalter Griechenlands wurde durch diesen antiken Weltkrieg, der von Sizilien bis nach Kleinasien getobt hatte und indem jede größere Macht der Region involviert gewesen war, zerstört. Zudem war das politische Gleichgewicht destabilisiert worden. Auch die politische Macht Athens war dahin (sieht man von der Restauration des Seebunds im 4. Jahrhundert ab, der jedoch weit hinter dem ersten Seebund zurück blieb), kulturell jedoch blieb die Stadt noch für Jahrhunderte führend, bis sie schließlich in der Spätantike in der Bedeutungslosigkeit verschwand.