Die Schlacht bei Marathon fand 490 v. Chr. während des ersten persischen Krieges statt. Sie wurde zwischen den Bürgern Athens, unterstützt von Plataiai, und dem persischen Großkönigs Dareios I., ausgetragen. Das Perserreich trat damals erstmals militärisch im griechischen Mutterland auf. Die griechische Armee fügte den zahlenmäßig überlegenen Persern eine vernichtende Niederlage zu.
Vorgeschichte
Hippias, Tyrann von Athen, war 521 v. Chr. von seinem Volk mit Hilfe von Cleomenes I., König von Sparta, verbannt worden. Er floh an Darius' Hof, um Beistand zu suchen.
Nach dem Scheitern des Ionischen Aufstands (499 - 494 v. Chr.) beabsichtigte Darius, die Griechen zu unterwerfen und sie für ihre Teilnahme an der Revolte zu bestrafen. 492 v. Chr. entsandte Darius eine Armee unter der Führung seines Schwiegersohnes Mardonios. Diese Armee unterwarf Thrakien und zwang Alexander I. von Mazedonien, sich Persien zu unterwerfen. Bei seinem Versuch, seine Fahrt nach Griechenland fortzuführen, wurde ein großer Teil seiner Flotte in einem Sturm zerstört und Mardonius war gezwungen nach Asien zurückzukehren.
Darius erfuhr von Hippias, dass die Alkmaioniden, eine einflussreiche Athener Familie, Miltiades feindlich gegenüberstand und bereit war, Hippias wiedereinzusetzen. Sie zogen es ebenfalls in Betracht, sich den Persern zu beugen, um für ihre Rolle im Ionischen Aufstand Reue zu zeigen. Darius wollte aus dieser Situation Nutzen ziehen, um Athen einzunehmen, was wiederum Sparta isolieren und ihm den Rest Griechenlands einbringen würde. Um die Athener zu einem Aufstand zu bewegen mussten zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Bevölkerung musste entmutigt werden und die Athenische Armee musste die Stadt verlassen.
Um die erste Bedingung zu erfüllen plante Darius, Eretria einzunehmen, das wenig Widerstand leisten würde und dessen Fall die Athener einschüchtern würde. Für die zweite Voraussetzung wurde Darius' Armee unter Führung von Datis entsandt, um in der Bucht von Marathon zu landen und einen Landangriff auf Athen zu beginnen. Diese Armee zählte wahrscheinlich höchstens 25.000 Fußsoldaten und 1.000 Reiter, weil sie vollständig über das Meer transportiert wurde.
Die Persischen Transporte, von der Flotte eskortiert, segelten von Samos nach Naxos und erreichten Karystos an der Südküste von Euböä. Von hier aus segelten sie den Kanal von Euböä bis nach Eretria hinauf, wo ihre Armee von den Griechen gesichtet wurde.
Den Athener war klar, dass sie mehr Hilfe benötigen würden. Sie sandten einen Kurier an die Spartaner. Der Kurier erreichte Sparta am 9. September und die Spartaner sagten ihre Hilfe zu, aber sie fügten hinzu, dass sie erst nach dem Ende des Karnäischen Festes am Vollmond des 19./20. September in den Krieg ziehen könnten.
Artaphernes schlug sich auf die Seite der Persischen Armee und besetzte Eretria. Der Rest der Armee überquerte das Meer und landete in der Bucht von Marathon. Die Armee von Athen mit 5.000 bis 8.000 Soldaten marschierte von Athen aus nach Norden. Als Kallimachos, der momentane Stratege, erfuhr, dass die Perser in der Bucht von Marathon gelandet waren, drehte er nach rechts ab, erreichte das Tal von Vrana und ließ seine Armee am Schrein des Herakles lagern.
Da es offensichtlich war, dass die Perser nicht sofort auf Athen marschieren würden, warteten die Athener auf die Verstärkung aus Sparta.
Verlauf
Am 11./12. September rückte die Athener Armee aus, um sich den Persern gegenüberzustellen. Dies war wahrscheinlich ein gemeinsamer Beschluss der Strategen, obwohl Herodot berichtet, dass sie tagweise in der Befehlsgewalt rotierten und dass Miltiades zu diesem Zeitpunkt an der Reihe war. Laut Herodot stimmten fünf Strategen für und fünf gegen die Truppenbewegung, wobei Kallimachos der Polemarch die entscheidende Stimme für den Angriff aussprach.
Die griechischen Hopliten waren viel stärker bewaffnet als die persischen Truppen. Besonders die längeren Stoßlanzen und Schwerter gaben den Griechen eine größere Reichweite als die Waffen der persischen Fußsoldaten. Der Vorteil der Perser beruhte auf den Bogenschützen sowie der überlegenen Reiterei.
Das Herannahen der Perser ließ die zunächst abwartenden Griechen aus ihrer Defensivstellung herauskommen. Mit Beginn des persischen Pfeilregens setzte sich die griechische Phalanx in Bewegung. Im Laufschritt, wobei die Flügel stärker ausgebildet waren, stürmten die Griechen auf die persischen Flanken zu. Die persischen Bogenschützen mit ihren leichten Rüstungen waren diesem Ansturm nicht gewachsen. Die in der Mitte postierten persischen Elitetruppen konnten die einschwenkenden griechischen Truppen nicht aufhalten. Eine allgemeine Flucht/Rückzug der Perser zu den nahe gelegenen Schiffen war die Folge. Die überlegene Reiterei der Perser kam bei dieser Schlacht nicht zum Einsatz. Einige Autoren vermuten, dass die Perser ihre Reiterei vorher wieder auf die Transporter verladen hätten und damit nicht in die Kämpfe eingreifen konnten. Ein letzter Kampf beim Ablegen, ließ die Griechen noch 7 gegnerische Schiffe erobern. Hätte die Schlacht zur totalen Vernichtung der Perser geführt, könnte man von einer größeren Zahl erbeuteter Schiffe ausgehen.
Herodot beziffert die griechischen Gefallenen auf 192; der Polemarch Kallimachos befand sich darunter. Schätzungen gehen heute von etwa 1.000 Verwundeten aus. Die Angabe von 6.400 persischen Gefallenen ist fraglich.
Die Spartaner trafen später ein, besichtigten das Schlachtfeld von Marathon und waren sich einig, dass die Athener einen großen Sieg errungen hatten.
Marathonlauf
Der Geschichtsschreiber Herodot berichtet über den griechischen offiziellen Herold (Laufboten, Hemerodromos) Pheidippides, der 490 v. Chr. von Athen in 2 Tagen nach Sparta gelaufen war, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu suchen (vergleiche hierzu Spartathlon).
Daraus formten 500 Jahre danach Plutarch und Lukian unter Berufung auf Herakleides Pontikos die Legende, dass ein Läufer (Diomedon) in voller Rüstung sich nach dem Sieg der Athener in der Schlacht von Marathon auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht habe, wo er nach Verkündung seiner Botschaft νενικήκαμεν (transkribiert: nenikékamen) „Wir haben gesiegt“ tot zusammengebrochen sei. Der heutige Marathonlauf wird über 42,195 km gelaufen.
Folgen
Die Niederlage der Perser, die seit vielen Jahrzehnten auf dem Land nicht mehr besiegt worden waren, durch die Griechen bereitete den Persern große Probleme. Als sie sahen, dass die Perser nicht unbesiegbar waren, erhoben sich viele Völker, die ihrer Herrschaft unterworfen waren, nach der Niederlage ihrer Oberherren bei Marathon, und mehrere Jahre lang konnte die Ordnung nicht wiederhergestellt werden.
Der gemeinsame Feind Persien trug dazu bei, eine gewisse Solidarität zwischen den zerstrittenen griechischen Stadtstaaten herzustellen. Der Sieg festigte die Ansicht, dass die Griechen „zivilisiert” und die Asiaten lediglich „Barbaren” seien.
